edit (am 9.12.2009): unabhängig von meinem Eintrag bin ich gestern von einem Kollegen auf einen ähnlichen, wenn auch journalistisch viel wertvolleren Artikel in der netzpolitik von Spiegel Online hingewiesen worden: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,665813,00.html
Es ist mal wieder Zeit für eine Montagsmeinung. Höchste Zeit! Dank der Ankündigung des DNS-Dienstes eines global agierenden Suchanbieters frage ich mich immer wieder, welche Motivation hinter solchen Bestrebungen stecken kann. Und ich sehe ein Muster, das sich gar nicht mal so langsam abzeichnet, und an dem schon so viele Unternehmen zu Grunde gegangen sind. Daten sammeln. (Damit will ich keineswegs behaupten, dass Google daran Schaden nimmt. Leider ist es wahrscheinlich eher anders herum.)
Ich kenne Leute, die sich standhaft dagegen weigern, Payback-Kunde zu werden, mit der Begründung, dass Payback eine Historie führt, in der festgehalten wird, wer wann was eingekauft hat. Und so ein Profil des Einkaufsverhaltens einzelner Benutzer erstellt wird.
Dass das selbe aber bei Benutzen eines Suchmaschine oder eines Online-Dokumentenverwaltungs- und Bearbeitungstools geschieht, scheint die gleiche Person nicht zu stören. Obwohl er im zweiten Fall nicht mal einen Gegenwert für seine erbrachte Freizügigkeit in Bezug auf seine Daten erhält. Bei Payback sammelt man wenigstens Punkte, die man in Waren umtauschen kann. Was bekomme ich in der digitalen Welt? Einen Service für umsonst. Ist das ein guter Deal? Ich glaube nicht. Es ist ja nicht so, dass ich Software geschenkt bekomme, und da liegt der Hund begraben. Selbst kostenlose Software wäre es noch nicht wert, dass ich meine Nutzungsdaten einfach so einem anderen übergebe. Was Software teuer macht, ist der Support und der Service, dass ich sicherheitsrelevante Updates über einen festgelegten Zeitraum beziehen kann. Beides trifft für die Software-as-a-Service-Produkte, die ich als Gegenleistung bekomme, nicht zu. Und hier fehlt das Bewusstsein, dass etwas falsch läuft. Tatsächlich bekomme ich keine Gegenleistung, die ich professionell nutzen könnte. Gebe dafür aber einen Gegenwert. Das selbe, oder eher noch schlimmer aber auf eine Sparte beschränkt, macht Skype. Ich musste mich erst kürzlich aufklären lassen, dass jedes Telefonat und jeder Videochat, welches ich über Skype führe, mit Benutzung des Services Skype Eigentum von Skype wird. Was für eine Frechheit. Und das steht irgendwo in einer EULA, oder einem Software Lizenz Vertrag. Dokumente, die – ganz ehrlich – keine Sau liest. Sollten wir aber. Und würden wir vermutlich auch, wenn wir, um sie zu verstehen, keinen Doktortitel in Rechtswissenschaften bräuchten.
Zum Thema Anonymisierung:
Dass die modernen Raubritter der digitalen Welt unsere Daten anonymisieren, hat vielleicht den Vorteil, dass ich nicht dafür belangt werden kann, wenn ich mich über eine Suchmaschine über illegale Dinge informiert habe. Für den Datensammler sind die Daten aber immer noch wertvoll. Natürlich werden diese statistische Durchschnittsdaten erst signifikant, wenn die Teilnehmerzahl gross genug ist. Deswegen sind mir aber meine Daten immer noch wichtig und viel zu wertvoll, um sie einfach gedankenlos sammeln zu lassen. Ein Tropfen füllt noch kein Fass, wenn aber keine Tropfen da sind, wird das Fass nie voll.
“Content is King” hiess es früher, dieses Jahr habe ich im Zusammenhang mit den Medientagen München den Satz “Context is King” gelesen. Bei den Kollegen der global dominierenden Suchmaschine habe ich immer mehr den Eindruck, dass für sie Userdaten König sind. Zusammen mit der anderen Bestrebung, Herr des Netzes zu werden, bekomme ich echt Angst. Warum ich das glaube? Ich bin wahrlich kein Konspirationstheoretiker, aber jeder Schritt von Seiten Google geht entweder in die oben angesprochene Richtung, oder sie bauen ihre eigene Infrastruktur im Internet aus. In den USA hat Google ein eigenes Mobilfunknetz. Überlandleitungen gehören Google, ganze Backbonesysteme und Zuleitungen für ganze Länder gehören Google. Mordsviel Kupfer, sagt vielleicht der eine, und findet es gut, dass Google die Nutzung für umme anbietet. Finger weg, sage ich, denn was, wenn Google von heute auf morgen entscheidet, nicht mehr alles für umsonst anzubieten. Durch die Kontrolle von essentiellen Bestandteilen des World Wide Web und der stetig größer werdenden Abhängigkeit vom Internet an sich (ganze Wirtschaftszweige basieren einzig und allein auf der Existenz eines Internets) macht sich Google unausweichbar. Der Schritt, einen DNS-Dienst einzurichten, ist nur ein weiterer Schritt hin zum grossen Schalter, der, bei Bedarf, einfach mal umgelegt werden könnte, um ein Land, das [politisch|wirtschaftlich|finanziell] unbequem ist, in eine wirtschaftliche Krise zu stürzen.
MIt diesen unangenehmen Gedanken lasse ich euch jetzt mal alleine und erwarte sehnlich eure Widerworte. Vielleicht ist ja doch alles nicht so schlimm?
jan
PS: Hinter dem Bild oben versteckt sich ein Link auf eine Seite, die ein wunderbares Video auf den Weltrekordhalter der Lichtbögen bzw. der Jakobsleitern hält. Lohnt sich. Faszinierend!