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Eure WhatsApp Sprachnachricht ist zum Kotzen

Ich bin heute über diesen Artikel in der Huffington Post gestolpert, und kann der Meinung der Autorin nur zustimmen. Sprachnachrichten zu versenden ist rücksichtslos, exkludierend und echt nervend. Auf der Metaebene betrachtet, ist die Sprachnachricht eine beispielhaft – im negativen Sinne – exklusives Verhalten unserer Gesellschaft.

http://m.huffingtonpost.de/amelie-graen/sprachnachrichten-whatsapp-nervig_b_18675912.html

Jetzt solltet ihr den Artikel gelesen haben, und euch bewusst geworden sein – wenn ihr nicht schon vorher die Unsäglichkeit der Sprachnachricht erkannt hattet – dass es ein allgegenwärtiges Problem gibt. Die Nichtrücksichtnahme auf die Vielfalt des Empfängerpublikums.

Und nicht einmal für blinde Menschen ist die WhatsApp Sprachnachricht richtig gut. Jedes Smartphone, das blinde Menschen verwenden, hat einen barrierefreien Bedienmodus. Der sich individuell anpassen lässt. Zum Beispiel in der Vorlesegeschwindigkeit. Die WhatsApp Sprachnachricht hebelt diese Funktion aus, und da WhatsApp noch kein Speech-to-Text für empfangene Nachrichten anbietet, sondern darauf vertraut, dass die Sender sich der Situation ihrer Adressaten bewusst sind, wird das Thema Inklusion einfach mal geopfert. Weil Sprachnachrichten so super sind? WTF?

Ich bezweifle nicht, dass der Sender es gut und persönlich meint, wenn er eine Sprachnachricht aufnimmt und versendet. Und auch der Versuch, es dem Empfänger zu ermöglichen, die Nachricht dann zu hören, wenn er die Zeit dazu hat und nicht ein synchrones Gespräch führen muss, wenn der Anrufer dies für passend hält, ist sicher ehrenhaft. Aber bitte nicht zu diesem Preis.

Hört also bitte mit dem Blödsinn auf. Oder fragt bei eurem Empfänger jedes Mal nach, ob der Empfang einer Sprachnachricht OK ist. Das sind die zwei einzigen sinnvollen Optionen.

Zum Thema „Nachfragen“ gibt es einen sehr schönen inklusiven Ansatz, der über die bekannte „person first language“ (https://en.wikipedia.org/wiki/People-first_language) hinaus geht, und zwar sich der Situation des Gegenübers bewusst zu machen (https://radicalcopyeditor.com/2017/07/03/person-centered-language/) und nicht kopflos einem Prinzip zu folgen. Einfach mal nachfragen. Tut nicht weh. Und zeigt Respekt.

Edit (20.12.2017, 11:32 Uhr): Ich habe den Absatz zu blinden Menschen gestrichen, da ich derzeit nicht die notwendige Erfahrung bzw. Einblicke in das Nutzungsverhalten von blinden Menschen habe, um eine allgemeingültige Aussage dazu zu treffen und behaupten zu können, dass blinde Menschen einen Vorteil aus der Nutzung von der Vorlesefunktion für Textnachrichten vs. WhatsApp Sprachnachrichten haben. Nichtsdestotrotz bleibe ich bei meiner Aussage, dass die Nutzung von WhatsApp Sprachnachrichten nicht-inklusives Verhalten darstellt und Menschen benachteiligt, die zum Beispiel eine situationale oder temporäre Hörbehinderung haben.

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