Code of Conduct: Haben oder nicht haben

In den letzten Monaten habe ich immer wieder zum Thema Diversity & Inclusion in Tech Communities referiert und ein wichtiger Bestandteil des Talks war jedes Mal das Thema Code of Conduct / Verhaltenskodex.

Wer sich mit dem Thema noch nie auseinandergesetzt hat: Ein Code of Conduct dient dazu

  1. Den Teilnehmern ein Regelwerk vorzugeben, an das sie sich zu halten haben, um auf der Veranstaltung oder in der Community willkommen zu sein.
  2. Den Teilnehmern die Regeln bekannt zu machen, daher muss der Code of Conduct zu jeder Zeit und bereits lange vor Beginn der Veranstaltung sichtbar sein.
  3. Die Teilnehmer wissen zu lassen, bei welchen Verhaltensweisen durch den Veranstalter oder Leiter gehandelt wird.
  4. Eine sichere Umgebung zu schaffen für Angehörige einer marginalisierten Gruppe.
  5. Eine Grundlage zu schaffen, auf Basis derer im Ernstfall auch durchgegriffen werden kann. Diskussionen darüber, ob das nun grenzwertig, gerade noch ok oder gar nicht so gemeint war, können mit einem Code of Conduct im Keim erstickt werden. Sie sind nie hilfreich.

Egal ob es nun um Usergroups, Meetups, Workshops oder Konferenzen geht, ein Code of Conduct gehört auf jede Veranstaltung.

Beispiele für gute Code of Conducts gibt es, niemand muss oder sollte einen Code of Conduct selbst schreiben, ohne sich an einer existierenden Vorlage zu orientieren. Das schafft nur Raum für Unsicherheiten, gerade bei den Personen, die den Code of Conduct auch umsetzen müssen.

Vorlagen:

  • http://berlincodeofconduct.org/de/ – sehr gute Vorlage unter der Creative Commons Lizenz. Wird – Stand 2017 – laufend aktualisiert.
  • https://2017.jsconf.eu/code-of-conduct/ – bewährte Vorlage der JSConf.eu. Tiffany Conroy, 2017 Verantwortliche für diesen CoC, habe ich selbst bei einem Workshop in Berlin kennengelernt und ihr Engagement für das Thema ist bewundernswert.

Aber, und dieses Aber musste ja kommen: Ein Code of Conduct hilft nur, wenn er gelebt wird und nicht nur für das gute Gewissen auf den Seiten der Community existiert. Der/Die Verantwortliche muss handlungsfähig sein und das Thema der Offenheit und Nichtdiskriminierung muss oberste Priorität haben. Ansonsten kann man es auch lassen. Ein schöner Artikel dazu kommt von Karolina Szczur, einer weiteren bewundernswerten Unterstützerin des Themas Diversity & Inclusion:

https://medium.com/@fox/when-a-code-of-conduct-becomes-harmful-1d4e737ff7aa

Setzt euch als Veranstalter oder Community Orga bitte ernsthaft mit dem Thema Code of Conduct, Chancengleichheit, Anti-Diskriminierung und Inklusion auseinander. Kopiert / adaptiert nicht einfach nur einen Code of Conduct, um einen Code of Conduct zu haben. Das ist nicht sachdienlich. Es verwässert die Ernsthaftigkeit des Themas. Setzt den Code of Conduct um. Ohne wenn und aber.

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