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Der Evangelist Posts

Vielfalt positiv darstellen. Eine Einstellungssache.

Disclaimer: Ich arbeite für Microsoft. Nicht in einer Inklusionsrolle, obwohl das vielleicht das Beste wäre, was ich mir vorstellen könnte. Wann immer ich Microsoft erwähne, kritisiere oder positiv darstelle, ist das natürlich beeinflusst. Das kann und will ich nicht abschütteln, aber solange ich es erwähne, könnt ihr euren eigenen Filter anlegen. Und das solltet ihr auch tun.

Gerade eben habe ich den diesjährigen Christmas Holiday Spot von Microsoft gesehen. Und war direkt fröhlich gestimmt. Nicht, weil die Produkte, die dort gezeigt werden so umwerfend sind, und auch nicht, weil der Inhalt des Spots – es dreht sich um ein Weltraumabenteuer eines Mädchens, das seine 2D Welt verlässt – so überzeugend ist. Es sind die liebevollen kleinen Szenen, in denen es um Inklusion geht. Schaut es euch selber an.

3D Holiday

Seeing AI – Digitale Unterstützung für blinde Menschen

Quelle: https://blogs.msdn.microsoft.com/accessibility/2017/12/13/seeing-ai-new-features/

Im US iOS App Store gibt es sie schon länger, nun ist sie auch für den europäischen Markt verfügbar: die Seeing AI App. Diese Assistenz-App unterstützt blinde Menschen in der Welt der Sehenden.

Wer die App noch nicht kennt und ein iPhone besitzt, der sollte sich die Zeit nehmen und sie installieren. Neben der Unterstützung, die diese App für blinde Menschen bietet, ist sie eine schöne Demonstration dessen, was Technologie leisten kann, nicht nur im Feld der Inklusion. Die App ist in der Lage, Szenen, die per Handykamera aufgenommen werden, in gesprochenen Text umzuwandeln. Ebenso werden Farben, Lichtintensität, handschriftliche und gedruckte Texte sowie verschiedene Währungen einschließlich Euro erkannt. Sie kann im Live-Modus Gesichter erkennen, die schon einmal eingespeichert wurden. So hilft die App ein Gegenüber zu identifizieren. Das funktioniert sehr schnell und fehlerarm. Unbekannte Gesichter werden, soweit ich das in der kurzen Testphase, die mir zur Verfügung stand, mit den Merkmalen Alter und Gesichtsbehaarung beschrieben.

Über die Bedienung im Modus für Menschen mit Sehbehinderung kann ich derzeit noch nicht viel sagen, denn auf der Android Plattform ist die App derzeit nicht verfügbar. Ob und wann sich das ändert ist derzeit noch offen.

Eine weitere Erwähnung wert ist das Disability Answer Desk von Microsoft. Dorthin kann man sich wenden, um herauszufinden, welche Produkte von Microsoft Barrierefreiheit unterstützen und in welchem Ausmaß.

Das Feedback, das die Seeing AI App in dem guten Jahr, das sie jetzt auf dem Markt ist, aus meinem direkten Umfeld bekommen hat, ist positiv. In diesem Umfeld befinden sich auch blinde Menschen, auf deren Urteil ich natürlich ungleich mehr Wert lege, als auf das von meinen Bekannten, die nur die Technologie hinter der App beurteilen. Auch wenn es noch einige Unwegsamkeiten in der App gibt, so ist es doch ein schöner Schritt in die richtige Richtung, um Menschen mit Behinderung eine Gleichstellung und Teilhabe in unserer an vielen Stellen viel zu wenig inklusiven Gesellschaft zu ermöglichen.

David gegen Goliath: wenn die Sinnhaftigkeit siegt.

Gestern bin ich über diesen Artikel gestolpert, und fand ihn lesenswert. Auch wenn das nicht der Status Quo der Gesellschaft ist, wie ich ihn mir wünsche – es fehlt an viel zu vielen Stellen an Verständnis für den Wert der Inklusion, dass sie unsere Gesellschaft bereichert und nicht nur notwendiges soziales Denken ist sondern Zugewinn und Bereicherung – so ist es doch ein schönes Beispiel, wie wir auch mit Rechtsmitteln eine bessere inklusivere Welt gestalten können.

Text in Englisch.

https://www.edsurge.com/news/2017-12-08-how-a-blind-student-who-felt-locked-out-of-stem-classes-challenged-and-changed-her-university

Wenn du heute nur 10 Minuten hast, um etwas sinnvolles zu lesen, lies das hier:

Da die zehn Minuten sogar etwas knapp bemessen sind, mache ich es kurz, teasere mit einem Zitat aus eben diesem Artikel an und schicke euch dann zu Mikey Ilagan Gedankenwerk weiter, unter dessen Titel ich mir definitiv etwas anderes in Sachen Barrierefreiheit vorgestellt hatte. Aber ich wurde positiv überrascht.

„Meeting legal compliance is doing the bare minimum to avoid lawsuits. Ethically, we should strive to do more.“

Web Accessibility: What You Say vs. What I Hear

 

Intro Post: Vielfalt und Inklusion – Kein Appell an die Menschlichkeit

Ich habe mich entschlossen diesen Blog als D&I Blog wiederzubeleben, da viele Menschen, mit denen ich in letzter Zeit zum Thema Vielfalt und Inklusion, oder Neudeutsch Diversity & Inclusion – kurz D&I – gesprochen habe, ein völlig falsches Bild oder eine halbaufgeklärte Meinung dazu aufweisen.

Die Tech Branche leidet seit Jahr und Tag an einem massiven Problem: Fachkräftemangel. Der typische Uni-Absolvent in Informatik / Computer Science ist männlich, weiß und sucht sich seinen Job aus. Er wird umworben von vielen globalen Unternehmen, die händeringend nach Nachwuchs suchen, um die Anforderungen, die die notwendige digitale Transformation an sie stellt, zu erfüllen. Es werden mehr und mehr Prozesse und Geschäftsabläufe digitalisiert, Software ist für fast jede Anforderung die ultimative Antwort. Und während die digitale Transformation ein extrem wichtiges und unabdingbares Thema in den Unternehmen ist, scheitert es meist an fehlenden Mitarbeitern, die die notwendigen Fähigkeiten zur Gestaltung der entsprechenden Strukturen und Softwarelösungen mitbringen. Die Vergütung in den entsprechenden Positionen ist gut, die Unternehmen, gerade aus der Tech Branche, die ihr Geld mit der digitalen Transformation

Eigentlich die idealen Voraussetzungen, um in diesem Bereich auch als Teil einer marginalisierten Gruppe (Women, People of Color, DisAbled People, Migrational Background, etc) Fuß zu fassen. Leider sind aber sowohl die Stellenausschreibungen, die Teams, selbst Studienfächer und Weiterbildungsmöglichkeiten, zu großen Teilen am existierenden Pool an Talenten orientiert. Damit eben ausgerichtet an männlichen weißen heterosexuellen Menschen im Vollbesitz ihrer geistigen und körperlichen Kräfte und Funktionen. Und Inklusion findet selten statt. Öffentliche Einrichtungen müssen in Deutschland weitgehend barrierefrei gestaltet sein. Zum Beispiel muss es möglich sein als Person im Rollstuhl die Agentur für Arbeit zu besuchen. Sollte nun aber diese Person sich auf eine Stelle bewerben, die nicht im öffentlichen Dienst ist, so gebärt sich der potentielle Arbeitgeber meist in einer abschreckenden nicht-inklusiven Gestalt. Fehlende Aufzüge, nicht rollstuhlgerechte Toiletten, fehlende Möglichkeit der Arbeit von zu Hause aus, sind nur ein Beispiel für mangelnde Inklusion.

Dabei könnten alle Arbeitgeber massiv von weitreichender Vielfalt in ihren Teams profitieren. Die Produktentwicklung ist nur eine Möglichkeit die Wichtigkeit des Themas herauszuarbeiten. Sie soll hier aber als Beispiel dienen.

Ein interessanter Blick auf das Thema Vorteil durch Vielfalt eröffnet sich, wenn wir beim Beispiel Behinderung bleiben. Da mir die Zahlen für Deutschland fehlen, greife ich auf die US Zahlen für den Verlust der Funktion einer oberen Extremität zurück.

Bei 26’000 Menschen, die eine permanente Dysfunktion eines oder beider Arme erfahren, gibt es 13 Millionen Menschen, die eine temporäre Einschränkung der Nutzbarkeit eines oder beider Arme zum Beispiel durch einen Armbruch haben. weitere 8 Millionen Menschen sind situational eingeschränkt in der Benutzung eines oder beider Arme, zum Beispiel durch das Tragen eines Babys. Eine weitere nicht schätzbare Zahl kann nur eine Hand benutzen, weil sie sich zum Beispiel im Bus an einer Haltestange festhalten. Bei der Rücksichtnahme auf eine relativ kleine Personengruppe von 26’000 Menschen, die eine permanente Behinderung haben, profitieren mehr als 20 Millionen Menschen. Bricht man das 1:1 auf Deutschland herunter sind wir immer noch bei beeindruckenden 5 Millionen Menschen oder mehr, die wir mit einer inklusiven Produktgestaltung unterstützen. „Solve for one, extend to many.“ (Zahlen und Beispiele aus Microsofts Inclusive Toolkit Manual, zu finden unter https://download.microsoft.com/download/B/0/D/B0D4BF87-09CE-4417-8F28-D60703D672ED/INCLUSIVE_TOOLKIT_MANUAL_FINAL.pdf).

Das Thema Vielfalt ist noch wesentlich größer als die Forderung nach Barrierefreiheit in allen Aspekten des Lebens. Bunte Teams können wesentlich mehr Aspekte abdecken, als ein Produkt nur barrierefrei zu designen. So sind Teams, die nur aus einer Bevölkerungsgruppe zusammengesetzt sind, immer eine Fehlerquelle. Ganz egal, ob es um den Vertrieb, Marketing, Entwicklung oder Forschung geht.

Und Vielfalt und Inklusion nur auf den solidarischen Gedanken zu reduzieren ist nicht nur verletzend sondern wirtschaftlich irrational. Auch wenn es auf den ersten Blick den Eindruck macht, als würden durch Inklusion höhere, vielleicht unternehmerisch nicht tragbare Kosten entstehen, so ist das gegengerechnete wirtschaftliche Risiko ein Produkt neu entwickeln zu müssen, weil wichtige Aspekte der Barrierefreiheit vernachlässigt wurden, höher. Andere inklusive Maßnahmen wie zum Beispiel eine selbstauferlegte Frauenquote, die Unterstützung der Interessen einer LGBTQ+ Community im Unternehmen und kulturelle Vielfalt sind Ziele, die ohne Kosten umzusetzen sind. Außerdem gibt es für das Einstellen von Menschen mit einer Schwerbehinderung und der behindertengerechten Ausgestaltung des Arbeitsplatzes staatliche Förderung (https://www.einfach-teilhaben.de/DE/StdS/Ausb_Arbeit/Foerderung_AG/foerderung_ag_inhalt.html).

Warum sind unsere Teams dann nicht vielfältiger und inklusiver? Aus Bequemlichkeit? Ehrlich? Riskant.